Dr. Alexander Schubert, Union Investment
"Die hohe Nachfrage nach sicheren Assets [stützt] die Spreads"

Interview

4 Fragen an Dr. Alexander Schubert, Union Investment

Christian Walburg

Christian Walburg

Verband deutscher Pfandbriefbanken

Welche Rolle spielen Covereds/Pfandbriefe für Ihr und in Ihrem Portfolio? Mit welchen Assetklassen stehen Sie im Wettbewerb?

Dr. Alexander Schubert

Dr. Alexander Schubert

Union Investment

Für mich als Rentenportfoliomanager spielen Covereds und Pfandbriefe eine wichtige Rolle als stabile und risikoarme Bausteine in meinen zu steuernden Portfolien. Sie zeichnen sich durch Deckungsmassen mit hochwertigen Sicherheiten wie Hypotheken oder öffentlichen Krediten aus und sind zusätzlich durch den Emittenten abgesichert. Diese doppelte Sicherheit macht Pfandbriefe besonders widerstandsfähig gegenüber Marktturbulenzen und Ausfallrisiken. Im Vergleich zu Staatsanleihen bieten sie meist eine leicht höhere Rendite bei fast vergleichbarem Risiko, was Pfandbriefe zu einer attraktiven Anlageklasse macht, um die Gesamtrendite meiner Portfolien zu steigern, ohne das Risiko wesentlich zu erhöhen.

Neben Covered-Bonds spielen auch Sub-Sovereigns-, Agencies- und Supranationale-Emittenten eine wichtige Rolle. Die Emittenten aus diesen Segmenten bieten ebenfalls eine exzellente Bonität und häufig eine internationale Ausrichtung. Zwar ist die Rendite dieser Assetklasse im Durchschnitt etwas geringer als bei Pfandbriefen. Ihre Rolle sehe ich vor allem in der globalen Diversifikation und in Phasen von Marktstress als sicherer Hafen.

Christian Walburg

Christian Walburg

Verband deutscher Pfandbriefbanken

Die fiskalischen Herausforderungen für den deutschen Staat könnten durch den aktuellen Angebotsschock bei Erdöl enorm ansteigen. Welches kurz- und mittelfristige Szenario haben Sie für die Spreads von Pfandbriefen gegenüber Swaps, Bundesländern und dem Bund?

Dr. Alexander Schubert

Dr. Alexander Schubert

Union Investment

Aufgrund des Energiepreisschocks steigen insgesamt die wirtschaftlichen Risiken an. Dadurch dürften sich Pfandbrief-Spreads gegenüber Swaps auf erhöhtem Niveau stabilisieren oder noch weiter leicht steigen, insbesondere bei einem plötzlichen nochmaligen Anstieg der Risikoaversion durch den Angebotsschock. Die Neuemissionsprämien und die hohe Nachfrage nach sicheren Assets stützen die Spreads aber generell.

Der Spreads von Pfandbriefen gegenüber Bundesländern dürfte relativ stabil bleiben, da Pfandbriefe durch ihre doppelte Besicherung und die hohe Liquidität weiterhin als sichere und attraktive Finanzierungsquelle gelten. Die Unsicherheit hoher bzw. noch weiter steigender Energiepreise belastet in erster Linie die öffentlichen Haushalte der Bundesländer, was bei diesen ebenfalls zu leicht steigenden Spreadaufschlägen führen dürfte.

Die Pfandbrief-Spreads gegenüber Bundesanleihen könnten kurzfristig etwas ansteigen, da -Bunds als sicherster Anker gelten und bei erhöhter Unsicherheit tendenziell stärker nachgefragt werden. Pfandbriefe behalten aber aufgrund der besonderen Qualität der Deckungsmassenihre hohe Attraktivität.

Insgesamt ist mittelfristig mit einer leichten Spreadausweitung zu rechnen, die aber durch die hohe Qualität der Pfandbriefe und ihre Rolle als sichere Refinanzierungsquelle begrenzt bleibt.

Christian Walburg

Christian Walburg

Verband deutscher Pfandbriefbanken

Wie schätzen Sie die Gefahr einer Stagflation ein? Wie sollte die EZB auf den Angebotsschock bei Erdöl und -gas reagieren?

Dr. Alexander Schubert

Dr. Alexander Schubert

Union Investment

Ich sehe die Gefahr einer Stagflation aufgrund des Iran-Kriegs. Der Konflikt führt zu einem Anstieg der Energiepreise, insbesondere bei Öl und Gas, was die Inflation weiter nach oben treibt. Gleichzeitig drohen durch die erhöhten Kosten und geopolitischen Unsicherheiten Wachstumshemmnisse, die das Wirtschaftswachstum stark bremsen oder sogar stagnieren lassen können. Konkret könnte die Inflation in der Eurozone 2026 auf etwa 3 bis 4,4 % steigen, während das Wirtschaftswachstum nahezu zum Stillstand kommt. Diese Kombination – steigende Preise bei stagnierender oder schwacher Wirtschaft – entspricht genau der Definition von Stagflation und stellt ein Risiko für Rentenportfolios dar, da die Realrenditen unter Druck geraten und die geldpolitischen Reaktionen (z. B. Zinserhöhungen) die wirtschaftliche Lage weiter belasten könnten. Insgesamt würde ich daher eine erhöhte Wachsamkeit empfehlen, insbesondere bei Duration und Kreditrisiken im Rentenportfolio.

Christian Walburg

Christian Walburg

Verband deutscher Pfandbriefbanken

Welche Veränderung der Renditestrukturkurve erwarten Sie bis zum Ende des Jahres?

Dr. Alexander Schubert

Dr. Alexander Schubert

Union Investment

Aufgrund des Iran-Kriegs erwarte ich bis Ende 2026 eine weitergehende leichte Verflachung der Renditestrukturkurve. Der Iran-Konflikt führt zu einem deutlichen Anstieg der Öl- und Gaspreise, die sich auch bei einem hoffentlich schnellen Ende des Konflikts nicht sofort auf das Ausgangsniveau von vor Beginn der Krise zurückbilden werden. Angesichts der höheren Energiepreise wird die Europäische Zentralbank (EZB) wahrscheinlich ihre Zinspolitik restriktiv gestalten, um die Inflation einzudämmen und um nicht in die gleiche Lage zu kommen wie in den Jahren 2021/2022. Dies führt zu steigenden kurzfristigen Zinsen. Die geopolitische Unsicherheit, höhere Produktionskosten und mögliche Lieferkettenprobleme dämpfen das Wirtschaftswachstum. Das begrenzt den Anstieg der langfristigen Zinsen, da die Wachstumserwartungen sinken. Steigender kurzfristiger Zinsen und stagnierender oder moderat steigender langfristige Zinsen bewirken eine Abflachung der Renditestrukturkurve.

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