Emissionsflut trifft auf großen Investorenhunger
Lukas Kühne
NORD/LB
Dr. Norman Rudschuck
NORD/LB
09.2026
Positiver Marktstart der deutschen Pfandbriefinstitute nach der Sommerpause
Nachdem die Sommerpause am Covered Bond-Markt mit insgesamt 46 emissionsfreien Tagen in diesem Jahr etwas länger ausgefallen war als im Vorjahr, meldeten sich die Emittenten mit einer regelrechten Emissionsflut am Primärmarkt zurück.
Unter den Pfandbriefbanken setzte die DekaBank am 17. August den ersten Preispunkt in der gedanklichen zweiten Jahreshälfte. Die zuvor letzte Pfandbriefemission hatte die DKB am 01. Juli und damit unmittelbar vor Beginn der saisonalen Marktberuhigung platziert. Bereits die mehr als auskömmliche Nachfrage nach dem hypothekarisch besicherten Pfandbrief der Deka lieferte einen deutlichen Hinweis auf den während der Sommerpause aufgestauten Investitionsbedarf und den ausgeprägten „Hunger“ der Investoren nach frischer Primärmarktware. Final konnte die DekaBank ihre Neuemission mit einer Laufzeit von vier Jahren und einem Volumen von EUR 250 Mio. bei einem Spread von ms +12bp platzieren. Das hohe Investoreninteresse spiegelte sich insbesondere in einer Bid-to-cover-Ratio von 2,7x wider. Gleichzeitig konnte die Transaktion ohne Neuemissionsprämie, entsprechend einer NIP von 0bp, am Markt untergebracht werden. Beides unterstreicht die hohe Aufnahmebereitschaft der Investoren zum Zeitpunkt der Emission. Eine vergleichbare Dynamik war in den ersten Handelstagen nach der Sommerpause auch im EUR-Benchmarksegment zu beobachten: Sämtliche vier Pfandbriefe, die seit dem Wiederanlaufen des Primärmarktes emittiert wurden, stießen auf ein ausgeprägtes Investoreninteresse. Dies kam u.a. in den jeweils deutlich überzeichneten Orderbüchern zum Ausdruck. Im Durchschnitt erreichten die Transaktionen eine Bid-to-cover-Ratio von 2,2x.
Damit knüpfte der Primärmarkt unmittelbar an das robuste Nachfrageumfeld aus der ersten Jahreshälfte an, wobei die zunächst überschaubare Zahl verfügbarer Neuemissionen den Wettbewerb der Investoren um frisches Anlagematerial zusätzlich verstärkte. Die hohe Nachfrage führen wir zum einen auf einen gewissen aufgestauten Investitionsdruck zurück. Während der emissionsfreien Sommerpause stand den Investoren über mehrere Wochen hinweg kein Neuangebot zur Verfügung. Mit der Wiederöffnung des Marktes traf das neue Angebot daher auf eine entsprechend hohe Aufnahmebereitschaft. Zum anderen dürfte insbesondere das gestiegene absolute Renditeniveau der neu platzierten Deals maßgeblich zum hohen Investoreninteresse beigetragen haben. Der Anstieg der Zinsstrukturkurve in den kurzen und mittleren Laufzeitbändern hat die Attraktivität von Pfandbriefen unter dem Gesichtspunkt der absoluten Rendite in den vergangenen Monaten spürbar erhöht. Gerade für Investoren mit einem Fokus auf qualitativ hochwertige und gedeckte Anleihen eröffnet das veränderte Zinsumfeld damit wieder attraktivere Einstiegsmöglichkeiten. Die hohe Bonität des Segments trifft aktuell auf Renditeniveaus, die gegenüber früheren Marktphasen einen deutlich höheren laufenden Ertrag ermöglichen. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass sich der Fokus der Emittenten bei der Wahl der Laufzeiten derzeit vor allem auf das mittlere Laufzeitsegment richtet. Dieses bietet aus Emittentensicht einen ausgewogenen Zugang zur Investorennachfrage, während Anleger von einem attraktiveren Renditeniveau profitieren, ohne dafür übermäßig lange Zinsbindungen eingehen zu müssen. Diesem Muster folgten auch die vier Pfandbriefemittenten im EUR-Benchmarksegment: Sämtliche Häuser entschieden sich bei ihren Neuemissionen für Laufzeiten zwischen vier und sechs Jahren. Insgesamt ist der Neustart des Covered Bond-Primärmarktes nach der Sommerpause damit als ausgesprochen gelungen zu bewerten. Die hohen Überzeichnungsquoten, die engen Preisfindungen und die teilweise entfallenen Neuemissionsprämien belegen, dass Pfandbriefe bei Investoren weiterhin auf eine hohe Nachfrage treffen. Gleichzeitig zeigt die Konzentration auf das mittlere Laufzeitsegment, dass sich Emittenten gezielt dort positionieren, wo das gestiegene absolute Renditeniveau derzeit auf eine besonders breite und aufnahmefähige Investorenbasis trifft.
Wir rechnen mit weiteren Neuemissionen im Volumen von über EUR 8 Mrd. in 2026
Insgesamt platzierten deutsche Emittenten nach der Sommerpause bis Ende August bereits EUR-Benchmarks im Volumen von EUR 3,75 Mrd. bei ihren Investoren. Damit blieb das Neuemissionsvolumen im August lediglich EUR 50 Mio. hinter dem Rekordwert aus dem Jahr 2023 zurück. Dies deutet unseres Erachtens auf einen unverändert hohen Refinanzierungsbedarf der Pfandbriefemittenten hin. Bis Ende August 2026 summierte sich das von deutschen Pfandbriefemittenten im EUR-Benchmarksegment platzierte Neuemissionsvolumen auf EUR 26,6 Mrd. Bis zum Jahresende erwarten wir weitere Neuemissionen von mindestens EUR 8 Mrd. Daraus ergäbe sich für das Gesamtjahr 2026 ein prognostiziertes Emissionsvolumen von rund EUR 35 Mrd. Bei Fälligkeiten in Höhe von EUR 29,8 Mrd. entspräche dies einem rechnerischen Nettoneuangebot von EUR 5,2 Mrd. und damit einem moderaten Wachstum des Pfandbriefmarktes. Unsere durchaus ambitionierte Prognose für den weiteren Jahresverlauf stützt sich u.a. auf das Volumen der in den letzten vier Monaten des Jahres noch anstehenden Fälligkeiten von EUR 8,6 Mrd. sowie auf mögliche Prefunding-Aktivitäten. Im Jahr 2027 belaufen sich die Fälligkeiten deutscher Pfandbriefemittenten im EUR-Benchmarksegment auf mehr als EUR 38 Mrd. Sollte sich von September bis November ein attraktives Emissionsfenster öffnen, dürften daher einige Emittenten die günstigen Marktbedingungen nutzen, um einen Teil ihres Refinanzierungsbedarfs für das kommende Jahr vorzuziehen.
Fazit und Ausblick
Zusammenfassend sind die deutschen Pfandbriefemittenten, getragen von einer hohen Investorennachfrage, dynamisch in die gedanklich zweite Jahreshälfte gestartet. Auch bis zum Jahresultimo rechnen wir mit einer regen Emissionstätigkeit. Mögliche Prefunding-Aktivitäten dürften unseres Erachtens vor allem im Oktober und November an Bedeutung gewinnen. Ihr tatsächlicher Umfang wird jedoch maßgeblich von der dann vorherrschenden Aufnahmebereitschaft des Primärmarktes abhängen.