Market Pulse

Covered Bonds Pfandbriefmarkt im Herbst: Saisonales Muster bleibt erhalten bei abnehmenden Emissionsaktivitäten

Lukas Kühne

Lukas Kühne

NORD/LB

Dr. Norman Rudschuck

Dr. Norman Rudschuck

NORD/LB

Mit dem III. Quartal endet traditionell nicht nur der Sommer, sondern auch die ganz heiße Phase der Neuemissionsaktivitäten am Pfandbriefmarkt. Meist sind bis Ende November noch „Restarbeiten“ zu erledigen – Prefunding, Lücken schließen, umplanen. Entsprechend bietet der Herbst eine gute Gelegenheit, sowohl einen Blick auf das Gros der Emissionsaktivitäten in der bisherigen zweiten Jahreshälfte zu werfen als auch sich erste Gedanken über das Jahr 2026 zu machen.

Im historischen Vergleich ist das zweite Halbjahr mit Blick auf das Emissionsgeschehen das weniger aktive, lediglich das von der Corona-Pandemie geprägte Jahr 2021 bildet hier eine Ausnahme. So wurden nach der Sommerpause bisher Pfandbriefe im EUR-Benchmarksegment in Höhe von EUR 7,3 Mrd. platziert, während im I. Halbjahr Pfandbriefe im Volumen von EUR 23,3 Mrd. emittiert wurden. Entsprechend sollte die klassische Verteilung der Emissionsaktivitäten in den beiden Jahreshälften auch in diesem Jahr erhalten bleiben. Das seit der Sommerpause emittierte Pfandbriefvolumen verteilt sich auf insgesamt elf Emissionen von zehn Emittenten. Der Fokus der Emittenten lag dabei auf Pfandbriefen mit mittleren Laufzeiten. So verfügte lediglich der Deal der Bausparkasse Schwäbisch Hall aus dem Oktober über eine Laufzeit von zehn Jahren, während sich das Gros der Emissionen auf Laufzeiten zwischen vier und acht Jahren fokussierte. Damit steht der Pfandbriefmarkt aber im internationalen Vergleich nicht alleine dar. Wir stellen in den letzten Jahren eine anhaltende Präferenz der Emittenten für das mittlere Laufzeitsegment fest und rechnen auch nicht damit, dass sich dieser Trend in naher Zukunft umkehren sollte. Offenbar scheuen einige Emittenten die notwendigen Spreadzugeständnisse, die eine erfolgreiche Platzierung von Langläufern erfordern. Die Investorenbasis zeigt derzeit eine gewisse Spaltung: Auf der einen Seite stehen Investoren, die sich auf die absolute Rendite von Anleihen konzentrieren und Pfandbriefe mit langen Laufzeiten als attraktiv empfinden. Auf der anderen Seite gibt es Investoren, die den Term Spread zwischen dem mittleren und langen Laufzeitsegment als zu gering erachten. Mit einer kurzfristigen Auflösung dieser gegensätzlichen Sichtweisen rechnen wir am aktuellen Rand nicht.

Im Hinblick auf die Emissionsaktivitäten im zweiten Halbjahr erscheint der relativ hohe Anteil platzierter Öffentlicher Pfandbriefe eher untypisch. Während der Anteil auf Jahressicht mit gut 24% nur leicht über dem Vorjahreswert notiert, liegt der Anteil Öffentlicher Pfandbriefe am Erstabsatz in der zweiten Jahreshälfte aktuell bei über 40%. Nichtsdestoweniger erreichen die Emissionen von Öffentlichen Pfandbriefen in EUR-Benchmarksize mit EUR 7,5 Mrd. in diesem Jahr schon vor Jahresultimo auf einem neuen Rekordwert. Darüber hinaus zeigt die erfolgreiche Debüttransaktion der Hamburger Sparkasse (Haspa) eindrücklich, dass Emissionen Öffentlicher Pfandbriefe weiterhin als attraktiv anzusehen sind. Die hohen Übersicherungsquoten in den Deckungsstöcken Öffentlicher Pfandbriefe bieten unserer Ansicht nach Potenzial für weiteres Marktwachstum, auch wenn dieses aufgrund des aktuell niedrigeren Fundingbedarfs der deutschen Emittenten eher gering ausfallen dürfte.

In Summe übertrifft das bis zum 24. Oktober platzierte Pfandbriefvolumen mit EUR 30,5 Mrd. bereits das Emissionsvolumen des gesamten Vorjahres von EUR 28,5 Mrd. im EUR-Benchmarksegment, bleibt aber weiterhin deutlich hinter den Jahren 2022 und 2023 mit Emissionen in Höhe von über EUR 35 Mrd. zurück. Traditionell gehören die Monate November und Dezember zu den emissionsärmsten Monaten des Jahres. Entsprechend rechnen wir in diesem Jahr maximal noch mit vereinzelten Marktauftritten von Pfandbriefemittenten im EUR-Benchmarksegment. Laut unserer Prognose könnte das Emissionsvolumen noch leicht ansteigen auf rund EUR 32 Mrd. Mit Blick auf die Fälligkeiten im kommenden Jahr von knapp unter EUR 30 Mrd. würden wir – unter der Annahme, dass alle Fälligkeiten wieder reinvestiert werden – mindestens mit einem ähnlich hohen Emissionsvolumen deutscher Pfandbriefemittenten rechnen wie im Jahr 2025. Vor diesem Hintergrund erwarten wir einen durchaus aktiven Jahresstart 2026 der deutschen Pfandbriefbanken.